Zweiter Wiener Erdwärmetag am 17.6.2020

Der zweite Wiener Erdwärmetag am 17. Juni 2020 wurde heuer ins Internet verlegt. Zahlreiche Teilnehmer*innen aus In- und Ausland konnten sich über neue praktische Informationssysteme und die Digitalisierung der erprobten und zukunftsträchtigen Energiequelle Geothermie informieren.

 

Eine Veranstaltung im Zeichen der Digitalisierung

Die Nutzung der im Untergrund natürlich vorhandenen Erdwärme für umwelt- und klimaschonendes Heizen und Kühlen besitzt in allen Gebieten Österreichs ein großes Anwendungspotenzial. Bisher fehlte jedoch oftmals ein rascher und einfacher Zugang zu Informationen, wie diese Ressource effizient genutzt werden kann. Die fortschreitende Digitalisierung bietet nun neue Werkzeuge in Form von Energieraumplänen und Internet-basierten Informationssystemen, um Planungs- und Entscheidungsprozesse zu erleichtern. Die „Digitalisierung der Erdwärme“ war das Thema des zweiten Wiener Erdwärmetags, der am 17. Juni in Kooperation zwischen der Stadt Wien, der Geologischen Bundesanstalt, dem Verein Geothermie Österreich sowie dem KLIEN Forschungsprojekt Spatial Energy Planning stattfand. Den derzeitigen Umständen geschuldet, aber durchaus passend zum Thema Digitalisierung, wurde der Erdwärmetag als Online-Event im Internet ausgetragen – unter Beteiligung von über 100 Teilnehmer*innen aus Österreich und Nachbarländern. Expert*innen aus Wien, Salzburg und Vorarlberg sprachen live über die Digitalisierung der Planung und die Möglichkeiten der Informationsaufbereitung.

 

Neue Informationssysteme, praktische Hilfsmittel und „Klimaschutz-Gebiete“

Alle Veranstalter*innen konnten über das erklärte Ziel berichten, die vor Ort nutzbaren, erneuerbaren Energiequellen (Erdwärme, Sonnenenergie, Biomasse und Luft) bestmöglich für die Anwender*innen bereitzustellen. Digitale Wärmeatlanten, die grundstücksgenaue Informationen über Alternativen zur fossilen Gas- oder Ölheizung anbieten, werden bereits in wenigen Jahren in vielen Bundesländern verfügbar sein. Das KLIEN Projekt Spatial Energy Planning erarbeitet derzeit ein gemeinsames Konzept für Wien, Steiermark und Salzburg aus. Salzburg nimmt derzeit eine Pionierrolle in der benutzerfreundlichen Ausweisung von grundstücksgenauen Informationsabfragen ein. Im Rahmen einer digitalen Standortabfrage in SAGIS Online können standortbezogene Erstauskünfte zu Wärmepumpen-Potenzialen in komfortabler Berichtsform ausgedruckt werden. Dieses bereits seit 2017 bestehende Tool, wird von Planer*innen und Installateurbetrieben bereits 200 bis 300 Mal pro Monat genutzt.

In Wien werden Ende Juni die ersten Energieraumpläne - auch Klimaschutz-Gebiete genannt - für drei Bezirke verordnet. Dort sind künftig erneuerbare Energiesysteme oder Fernwärme für Wärme und Warmwasser im Neubau verpflichtend anzuwenden. Wer sich bereits jetzt intensiver mit der Anwendung der Erdwärme in Wien auseinandersetzen möchte, kann sich ab sofort auf einer neu geschaffenen Informations- und Vernetzungsplattform (www.erdwaerme-wien.info) informieren, die von der Geologischen Bundesanstalt und der Stadt Wien betreut wird. [krickl] 

 

Die Vorträge:

 Block 1: Aktuelles aus Wien (9:40 - 10:15)

  • Aktuelle Strategien und Projekte der Stadt Wien
       Susanna Erker und Stefan Sattler, Stadt Wien Energieplanung
  • Anergienetze -  Wie heizen wir morgen unsere Stadt?“  Ergebnisse zur Machbarkeit einer flächendeckenden Wärmeversorgung durch Anergienetze aus dem Projekt „AnergieUrban“.
       Gerhard Bayer, Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik 

Block 2: Erdwärme online und e-Governance (10:30 - 12:00)

  • Erfahrungen aus der Anwendung des Erdwärme-Informationssystems in Salzburg SAGIS online
       Norbert DorfingerSalzburger Qualitätsnetzwerk Wärmepumpe; Salzburg AG
  • Räumliche Energieplanung für die Wärmewende – Darstellungsstandards für Systemoptionen als Chance für die Erdwärme
       Alexander Rehbogen, Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen
  • Oberflächennahe Geothermie: Standards, Normen und Zertifizierung
       Stefan Wehinger, ENERCRET GmbH
  • Präsentation der neuen Informations- und Vernetzungswebsite für Wien: www.erdwaerme-wien.info
       Stefan Hoyer, Geologische Bundesanstalt

 

Die Vorträge des zweiten Wiener Erdwärmetags könne Sie bequem hier nachsehen oder als pdf herunterladen.


Alle Vorträge des zweiten Wiener Erdwärmetags gibt es hier zu sehen


Begrüßungsworte

Stefan Sattler, Stadt Wien Energieplanung

Stefan Sattler spricht die Einleitung zum zweiten Wiener Erdwärmetag. Er betont die Wichtigkeit des Themas Erdwärmenutzung für die Wiener Stadtpolitik und die Bedeutung des Themas in Bezug auf Energieautarkie Europas. Gerade im urbanen Raum kommt der Nutzung der Erdwärme als saisonaler Speicher eine weitere wichtige Bedeutung bei, da Wärmeüberschüsse im Sommer für den Winter nutzbar gemacht werden können.



Aktuelle Strategien und Projekte der Stadt Wien

Susanna Erker und Stefan Sattler, Stadt Wien Energieplanung 

Susanna Erker berichtet über die aktuellen Strategien der Stadt Wien, dabei wird den neuen Energieraumplänen eine große Bedeutung beigemessen. Die ersten Energieraumpläne - auch Klimaschutz-Gebiete genannt - wurden im Juni für die ersten drei Bezirke verordnet. Dort sind künftig erneuerbare Energiesysteme oder Fernwärme für Wärme und Warmwasser im Neubau verpflichtend anzuwenden. Stefan Sattler stellt einige aktuelle Projekte der Stadt Wien vor. Im Rahmen einer bestehenden Kooperation zwischen der Stadt Wien und der City of Vancouver wird das Vancouverhaus errichtet. Dabei werden neue Standards für energieeffizientes Bauen und sonstige innovative Aspekte gesetzt. So wird zum Beispiel die Garage, sofern die Stellplätze nicht für KFZ benötigt werden als Gemeinschaftsraum genutzt. Außerdem ist für die Stadt Wien die Gebäudesanierung und die Dekarbonisierung von bestehenden Gebäuden ein Schwerpunkt. Aktuell soll an 100 Beispielgebäuden eine Umstellung von Gasetagenheizungen auf eine nachhaltige und erneuerbare Wärmeversorgung erprobt werden. Diese Pilotprojekte sollen Grundlage für die sukzessive Reduktion von fossiler Energie im Bestand sein.

Fragen und Antworten

FrageIm Vortrag wurde erwähnt, dass Erdwärme und andere vor Ort verfügbare erneuerbare Wärmequellen im Ganzen Stadtgebiet verfügbar wären. Bedeutet dies, dass überall in Wien Klimaschutzzonen erlassen werden könnten und de facto überall in Wien ein Gasverbot (im Neubau) erlassen werden könnte?

Antwort: Es müssen in Klimaschutz Zonen laut Wiener Bauordnung sowohl Fernwärme als auch ein weiteres hocheffizientes alternatives System anwendbar sein. Wien wird nicht flächendeckend als Klimaschutz Zone ausgewiesen.

Frage: Wurden die Klimaschutz-Zonen in Wien bereits definiert?

Antwort: Mit Ende Juni werden  die Klimaschutz Zonen für die Bezirke 2, 7 und 16 beschlossen sein. Die Bezirke 8,9,18,19 sind ebenfalls schon definiert und werden voraussichtlich im September im Gemeinderat beschlossen werden. Die 3. Tranche wird derzeit ausgearbeitet. Alle weiteren Klimaschutz Zonen sollen bis Ende 2021 folgen. Hier finden Sie weitere Infos zu den Energieraumplänen (Klimaschutz-Gebieten) und zum Erdwärme-Potenzial in Wien.

Frage: Werden die Wärmepumpen Anwendungen auch für die Kühlung eingesetzt (Beispiel Vancouverhaus)?

Antwort: Ja, es ist auch eine Kühlung mit dem Niedertemperatur Wärmeversorgungskonzept vorgesehen.

Frage: Sind die erwähnten 100 Vorzeigegebäude im Eigentum der Stadt oder auch in Privatbesitz? Wird es einen Wettbewerb für die Umrüstung der Gebäude geben und bis wann wird dieser Prozess abgeschlossen sein?

Antwort: Die Vorzeigegebäude können sich sowohl im öffentlichen als auch im privaten Eigentum befinden. Ein wichtiger Kooperationspartner der MA 20 ist Wiener Wohnen, jedoch kann jeder an dieser Aktion teilnehmen. Für weitere Auskünfte steht die MA 20 gerne zur Verfügung. Hier erhalten Sie weitere Informationen zu den Vorzeigeprojekten.

Frage: Wie können Energieraumpläne in bestehende Bebauungspläne zeitnah integriert werden? Erfahrungsgemäß dauert dies bis zu 10 Jahre bis Änderungen greifen. Welche zeitlichen Planungsziele gibt es für die Energieraumpläne in Wien?

Antwort: Die Energieraumpläne sind entkoppelt von den Bebauungsplänen, sie sind ein eigenes Rechtsinstrument, das in der jetzigen Form nur bei Neubauten (sprich Baugenehmigungen) schlagend wird. Energieraumpläne werden für einen ganzen Bezirk erlassen und in einem eigenen Verordnungsverfahren festgesetzt. Bebauungspläne werden gemeinsam mit dem FWP (Flächenwidmungsplan) erlassen. Sollten die Energieraumpläne in den nächsten Jahren auf den Bestand ausgeweitet werden, müssen Übergangsfristen von 10-15 Jahren gewährt werden. Wie eine solche Ausweitung umgesetzt werden könnte, ist derzeit Gegenstand von Gesprächen.


Anergienetze - Wie heizen wir morgen unsere Stadt

Gerhard Bayer, ÖGUT

"Geht sich eine Versorgung mit Erdwärme und Anergienetzen aus, wenn das alle machen?". Das ist salopp formuliert die Forschungsfrage des Projekts Anergie Urban das unter Projektleitung der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) durchgeführt wird.

Dazu wurden in mehreren Pilotgebieten in Wien Bilanzen über Flächenverfügbarkeit für Erdwärmebohrungen, Wärmebedarf sowie Abwärmepotenziale erstellt. Es stellte sich heraus, dass eine Versorgung der Bestandsgebäude selbst in dicht bebauten städtischen Gebieten eine autarke Wärmeversorgung durch solare Wärme und Abwärme mit saisonaler Speicherung in Erdsonden möglich ist.

Fragen und Antworten

FrageAuf welche Wärmequellen sollen Erdwärme unterstützte Arealvernetzungen in Wiener Bestandsgebäuden zurückgreifen? 

Antwort: In der Studie Anergie Urban wurden folgende Quellen in einer konservativen Schätzung angenommen: Solar Abwärme, Raumkühlung und Abwärme aus Kleingewerbenutzungen, Raumkühlung im Wohnbereich. Erst durch die Vernetzung verschiedener Gebäude und den damit einhergehenden Lastenausgleich kann ein bestmöglicher Bilanzausgleich erzielt werden. 

 

Frage: Gemäß ÖWAV RB 2017 werden Erdwärmsonden Abstände von 7 bis 10 Meter empfohlen. Wieso wurde ein geringerer Sondenabstand in der Potenzialbewertung berücksichtigt?

Antwort: Die Sondenabstände können reduziert werden, da die Sonden im Speicherbetrieb gefahren werden und die Ausbreitung der saisonalen Temperaturfahne um die Sonden auf wenige Meter beschränkt ist. 

Frage: Sind im Vollkostenvergleich im Bereich Invest auch Anpassungen im Wärmeabgabesystem enthalten (Heizkörper bei Gas möglich vs. Flächenheizung - für WP nötig)? 

Antwort: Die Anpassung des Wärmeabgabesystems wurde in der Kostenanalyse nicht berücksichtigt. 

Frage: Wurde davon ausgegangen, dass die Altbau-Gebäude thermisch saniert wurden? Wurde der Warmwasserbedarf berücksichtigt?

Antwort: Ja, die thermische Sanierung der Gebäude war eine Grundvoraussetzung der Potenzialstudie und der Warmwasser Bedarf wurde berücksichtigt. 

Frage: Wenn der Heizbedarf der Gebäude nach den Vorgaben der OiB-Richtlinie NACH Sanierung in die Rechnung eingeflossen ist, wurden die Sanierungskosten in die Investitionskosten mit hineinkalkuliert?

Antwort: Die Sanierungskosten wurden in der Kostenbewertung, die sich nur auf das Wärmegewinnungssystem konzentrierte, nicht berücksichtigt.

Frage: Wurde im öffentlichen Bereich die gesamte unterirdische Infrastruktur der Stadt berücksichtigt?

Antwort: In der Potenzialanalyse des öffentlichen Raums wurden sämtliche Einbauten berücksichtigt. 

 


Der Wärmepumpen-Atlas: Zonenausweisung für Wärmepumpen

Norbert Dorfinger, Salzburg AG

Der Salzburger Wärmepumpenatlas kann als Vorzeigeprojekt für Österreich bezeichnet werden. Dieser richtet sich in erster Linie an Installateure sowie Planerinnen und Planer als Erstinformationstool aber auch an Endkunden und die Landesverwaltung. 

Die enthaltenen Informationen umfassen 30 Datenlayer. Diese beziehen sich jedoch nicht nur auf Erdwärmenutzung, es wird unter anderem auch die Luftwärmepumpe betrachtet. Im Bereich der Erdwärme stehen verschiedenste Datenlayer zur Verfügung: Von geogenen Risiken wie zB. die Verbreitung des Haselgebirges oder artesisch gespannter Grundwasserkörper über Potenzial- und Dimensionierungsgrößen wie der Bodentemperatur bis zum legistischen Bestand und Raumordnungsinformationen.

Norbert Dorfinger zeigt die Funktionalitäten des Wärmepumpen-Atlas anhand einiger Anwendungsbeispiele und bietet einen Ausblick für die Zukunft. Der Trend geht hin zu integrativer Wärmeraumplanung, zukünftig sollen Wärmebedarfszahlen, Wärmeinfrastruktur und -potenziale in einem gemeinsamen Portal zusammengeführt werden.  

Fragen und Antworten

Frage: Gibt es im SAGIS System auch einen Info-Layer zu a.) Lärmschutz für Luft-Wärmepumpen, b.) chemischen Grundwasserqualität und c.) thermischen Lasten bestehender WP-Nutzungen bzw. Kühlung?

Antwort: Die Punkte a.) und b.) werden berücksichtigt. Summationseffekte durch bestehende Nutzungen (c.) konnten aufgrund der damals benutzten Methodik jedoch nicht berücksichtigt werden. 

Frage: Gibt es Vorgaben zur Jahresarbeitszahl der WP in Salzburg?

 

Antwort:  Es gibt keine Vorgaben für die Jahreszahl der Systeme, jedoch für die Leistungszahl (COP) in gewissen Förderungen. Zudem gibt es Überlegungen den Mittelwert aus verschiedenen Betriebspunkten der Wärmepumpe als zukünftige Beurteilungsgrundlage heranzuziehen. 

 


Räumliche Energieplanung für die Wärmewende - Darstellungsstandards für Systemoptionen als Chance für die Erdwärme

Alexander Rehbogen, Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen. 

 

Alexander Rehbogen vom Salzburger Institut für Raumordnung und Wohnen stellte das Projekt "Spatial Energy Planning" am Wiener Erdwärmetag vor. Das Projektkonsortium vereint drei der wichtigsten Akteure der österreichischen Forschungslandschaft im Bereich Wärmewesen um eine gemeinsame, skalierbare Informationsplattform für Wärmebedarfs-, Wärmequellen- und Wärmeinfrastrukturdaten zu schaffen. Ziel dieses Projekts ist die Schaffung aller notwendigen Grundlagen, um künftig wärmeenergiebezogene Aspekte in der hoheitlichen Planung berücksichtigen zu können und führt bis zur Implementierung der angepassten Prozesse in der Verwaltung. Über die LandesGIS der Bundesländer Wien, Steiermark und Salzburg werden räumlich hochauflösender Informationen zu erneuerbaren Energiepotenzialen, Wärmeenergiebedarfen und Wärmeversorgungsinfrastrukturen bereitgestellt werden. Auf die jeweilige Anwendung im spezifischen Planungsprozess (zB Erstellung eines Entwicklungskonzepts, bauliche Entwicklung eines Areals) zugeschnittene Analysen werden die Information effizient und zweckgerichtet für die SachbearbeiterInnen und InvestorInnen zur Verfügung stellen. In einem Folgeprojekt sollen ab 2021 (im Falle eines erfolgreichen Zuschlags) die  Mobilität und elektrische Energie ergänzt werden. Der digitale Energieatlas soll nicht nur Planungsorganen zur Verfügung, sondern soll zukünftig auch als mobile Energie App BürgerInnen, BeraterInnen und InvestorInnen eine automatisierte und unabhängige Erstauskunft zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen auf Grundstücksebene ermöglichen. Der digitale Wärmeatlas ist der erste Schritt in Richtung moderner Energieraumplanung und wird ab 2021 in den Bundesländern Wien, Salzburg und Steiermark zur Verfügung stehen. 


Oberflächennahe Geothermie: Standards, Normen und Zertifizierung

Stefan Wehinger, ENERCRET GmbH.

Stefan Wehinger gibt im ersten Teil seines Vortrags einen umfangreichen und detaillierten Überblick über Standards und Normen im DACH Raum und darüber hinaus. Dabei finden die im deutschsprachigen Raum beheimateten Regelwerke, allen voraus die Schweizer SIA, Verwendung in ganz Europa und der Welt. 

Der zweite Teil des Vortrags widmet sich dem Gedanken der Zertifizierung für Erdwärme als integrale Dienstleistung, der Verein Geothermie Österreich hat sich zum Ziel gesetzt zeitnah eine solche Zertifizierung ins Leben zu rufen. Dabei ist festzuhalten, dass eine Zertifizierung nicht innovationshemmend wirken darf, also sich nicht streng nach Normen orientiert. Weiters soll die Zertifizierung nicht zu einer Markteintrittsbarriere für anbietende Unternehmen werden. Das Ziel soll es sein, gut funktionierende Anlagen mit einem Gütesiegel zu versehen. Als gutes Beispiel stellt er das Zertifizierungssystem der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz vor. Schließlich präsentiert er noch die Vorstellungen des GTÖ für ein Österreichisches Anlagen- Zertifizierungsschema.

Fragen und Antworten

Frage: Wie verhält es sich mit der Sicherung der geistigen Leistung der Planungsteams, wenn GTÖ bei Zertifizierung Best Practice die Planung öffentlich zugänglich macht?

Antwort: Die Zertifizierung ist als freiwilliges Qualitäts- und Innovationssiegel zu verstehen. Die Beurteilung erfolgt unter Berücksichtigung des Gesamtkonzepts gemäß eigener GTÖ Richtlinien. Die Veröffentlichung von Detailinformationen ist nicht vorgesehen, jedoch sollte eine transparente Vergabe von Zertifikaten gewährleistet werden. 

Frage: Wie könnte man den Bereich der Thermodynamik / Simulation mit Standards oder Best-Practice Beispielen verbessern, um die Planungssicherheit - auch für die Investoren - zu verbessern?

Antwort: Zum Thema nachhaltige Planung und Auslegung sowie Simulation wird der GTÖ einen Vorschlag in den geplanten Richtlinien erarbeiten. Von Seiten des GTÖ wird auch angeregt, das bereits über 10 Jahre alte ÖWAV Regelblatt 207 hinsichtlich des Stands der Technik bei Großanlagen und der Simulation von Anlagen zu überarbeiten. Bei der Anwendung von Simulationstools benötigt ein vertieftes Verständnis zur Thermodynamik und Hydraulik, welches durch gezielte Schulungen bereitgestellt werden sollt. 

Frage: Ist eine Zertifizierung von in Betrieb befindlichen Anlagen auch vorgesehen? Oft werden Anlagen zwar gut ausgeführt, aber anschließend von Nutzern falsch verwendet. Stichwort "Kühlung im Sommer" -> Nutzer machen die Fenster auf -> Anlage kühlt ununterbrochen und geht so über die Planungsgrenzen hinaus. 

Antwort: Der Verein Geothermie Österreich möchte zukünftig ein einfaches Tool zur Berechnung von Jahresarbeitszahlen und saisonalen Leistungszahlen auf der Webseite anbieten. Zudem werden die geplanten Richtlinien und Empfehlungen des GTÖ auch auf die Betriebsführung eingehen. Die Überprüfung von Effizienz- und Leistungskennzahlen wird aber vorrangig auf Freiwilligkeit beruhen.   

 

Diskussion und Statements: Im Bereich von Zertifizierung sind auch die Vorgaben der novellierten Erneuerbaren Richtlinie aus dem Jahr 2018 zu beachten, die eine wechselseitige Anerkennung von Berufsbefugnissen im Bereich der Erneuerbaren Energienutzung zwischen den EU Mitgliedsstaaten vorsieht (z.B. PlanerInnen und Installateure). Weitere Informationen zur novellierten Erneuerbaren Richtlinie der EU finden Sie hier.

 


Informations- und Vernetzungswebsite erdwaerme-wien.info

Stefan Hoyer, Geologische Bundesanstalt.

Im letzten Vortrag des zweiten Wiener Erdwärmetags präsentiert Stefan Hoyer die neue Informations- und Vernetzungswebsite erdwaerme-wien.info. Auf der Plattform werden zunächst allgemein gültige Informationen zur Erdwärmenutzung zur Verfügung gestellt, Potenzialkarten und rechtliche Informationen werden speziell für Wien angeboten. Dabei sollen alle Zielgruppen von der interessierten Öffentlichkeit bis zu Expertinnen und Experten angesprochen werden. 

Neben der reinen Informationsbereitstellung ist ein Bereich der Homepage dem Erfahrungsaustausch gewidmet. Hier werden die fast 2000 Wiener Erdwärmenutzerinnen und -nutzer ermutigt, sich über ihre Erfahrungen die sie mit der Erdwärmenutzung gemacht haben auszutauschen.

 

Fragen und Antworten

Frage: Wie geht es mit der tiefen Geothermie in Wien aktuell weiter?

Antwort: In der Tiefen Geothermie finden derzeit das Forschungsprojekt GeoTief durchgeführt. Bei positiven Projektergebnissen wird in wenigen Jahren hoffentlich das nächste Projekt begonnen. Informationen zum Projekt GeoTief Wien: www.geotiefwien.at.

Diskussion und Statements: Zum Anlagenstammblatt  wäre es hilfreich den Kontext einer Erdwärmeanlage darzustellen. Handelt es sich um ein Gesamtsystem, in das mehrere Anlagen bzw. Systemtypen hineinarbeiten, oder wird die Wärmepumpe monovalent genutzt? Fand eine Umstellung von einem anderen System statt usw.?